Es gilt das gesprochene Wort.
Einleitung
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, bundesweit erkranken dar-an jährlich mehr als 45.000 Frauen.Das bedeutet allein für Nordrhein-Westfalen etwa 10.000 Neuerkrankungen pro Jahr.Brustkrebs ist bei Frauen zwischen 40 und 50 Jahren die häufigste Todesursache.„Krebs bekämpfen“ gehört zu den zehn vorrangigen Gesundheitszielen in Nordrhein-Westfalen, auf die sich die Landesgesundheitskonferenz verständigt hat.Ziel ist insbesondere die flächendeckende Verbesserung der Brustkrebsversorgung – unter Einbeziehung der gesamten Behandlungskette von der Früherkennung über die Diagnostik und Behandlung bis zur Nachsorge.II. Einrichtung von BrustzentrenZentraler Baustein ist die flächendeckende Einrichtung von Brustzentren in NRW. Eine detaillierte Liste der 51 Brustzentren finden Sie in Ihren Unterlagen.In diesen 51 Brustzentren haben wir die Behandlung von Brustkrebs konzentriert, die etwa bis 2005 landesweit noch in etwa 250 Krankenhäusern vorgenommen wurden. Bei einem Einzugsbereich von jeweils 360.000 bis 450.000 Menschen pro Brustzentrum ist die nötige Wohnortnähe einer solchen spezialisierten Leistung gesichert.III. Das Konzept der BrustzentrenMit den neuen Brustzentren haben wir mehr Qualität in Diagnostik und Behandlung von Brustkrebs erreicht.Dies ist durch stärkere Konzentration, bessere Kooperation und bessere Standardisierung der Versorgung gelungen. Wesentliche Elemente des Konzepts sind:• Hohe Qualifikation aller Professionen;
• bessere Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Disziplinen und Institutionen;
• Therapieverfahren, die sich an einheitlichen Leitlinien orientieren;
• besseres Qualitätsmanagement.Um als Brustzentrum anerkannt zu werden, muss eine Klinik daher bestimmte Kriterien erfüllen. Beispielsweise:
• Brustzentren müssen alle notwendigen Kernleistungen (Operation, bildgebende Diagnostik – z .B. Röntgenuntersuchung – Strahlentherapie, Pathologie und Onkologie) in interdisziplinärer Zusammenarbeit erbringen.
• Brustzentren sollen mit niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen so-wie mit weiteren Spezialisten – beispielsweise Psychotherapeuten – ein regionales Netzwerk bilden, das von der Diagnose über die Behandlung bis zur Nachsorge alle Leistungen ermöglicht.
• Brustzentren sollen jährlich mindestens 150Operationen bei Neuerkrankungen und mindestens 50 Operationen je Operateur durchführen. Diese können in begründeten Fällen auf mehrere Standorte verteilt werden, wenn in den Standorten jeweils mindestens 100 und je Operateur mindestens 50 Operationen erbracht werden.
• Brustzentren sollen sich gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern zum Quali-tätsmanagement und zu einer umfassenden Patientinnendokumentation verpflichten. Sie sollen in Studien kooperieren und Fortbildung für die beteiligten Berufsgruppen anbieten;
• Brustzentren müssen schließlich eine systematische und umfassende Information der Patientinnen bieten und diese in die Therapieentscheidungen einbeziehen
• unter Beteiligung der Selbsthilfeorganisationen eine psychosoziale Begleitung und Beratung sowie die Weiterversorgung am Wohnort organisieren.
IV. Qualitätssicherung
Dass die anerkannten Brustzentren diese hohen Qualitätsanforderungen auf Dauer erfüllen, wird regelmäßig in einem Zertifizierungsverfahren überprüft. Diese Aufgabe – ähnlich einer TÜV-Prüfung – übernimmt für ganz Nordrhein-Westfalen die Ärztekammer Westfalen-Lippe.Die Zertifizierung erfolgt regelmäßig alle drei Jahre, wobei sog. Zwischenaudits jährlich erfolgen.
Wie die Leistungen der neuen Brustzentren (medizinisch, pflegerisch, organisatorisch und auch in Hinblick auf die persönliche Betreuung) von den Patientinnen beurteilt werden, wird regelmäßig in Patientinnenbefragungen geklärt, die wissenschaftlich ausgewertet werden. Dazu wird Herr Prof. Dr. Pfaff von der Universität Köln Näheres berichten.
V. Fazit
Nordrhein-Westfalen hat mit der Anerkennung von Brustzentren die Weichen für eine spürbare Qualitätsverbesserung in der Behandlung und Versorgung von Patientinnen mit Brustkrebs gestellt.Im Rahmen der Versorgungsforschung ist dieser auch für die Krankenhauslandschaft in Nordrhein-Westfalen gravierende Umbau wissenschaftlich begleitet worden.Die Gutachter, Herr Prof. Pfaff von der Universität Köln und Herr Prof. Pientka von der Universität Bochum, werden Ihnen die Ergebnisse im Detail vorstellen.
Für die Landesregierung kann ich als Fazit ziehen:
1. Die Implementierung der Brustzentren ist sowohl quantitativ als auch qualitativ erfolgreich verlaufen.
2. Die in Deutschland festgelegten Qualitätsindikatoren werden in den NRW-Brustzentren besser erreicht als in den „Nicht-Brustzentren“.
3. Vergleicht man die Brustzentren mit der Versorgungsqualität in Deutschland, besteht ein Trend zu einer überdurchschnittlichen Versorgung dieser Patientinnen in Nordrhein-Westfalen.
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22.06.2010