Noch ist völlig unklar, ob die vermeintlichen Leistungssteigerer bei gesunden Menschen überhaupt wirken. Denn die Forschung zu den "Neuro Enhancern" steckt noch in den Kinderschuhen. Fest steht nur: Die Arzneimittel haben teils starke Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, psychische Störungen und Abhängigkeit. Die Langzeitfolgen sind überhaupt noch nicht absehbar.Dennoch hält jeder fünfte Deutsche diese Risiken für vertretbar. Vor allem das männliche Geschlecht setzt auf die künstliche Leistungssteigerung: Ein knappes Drittel der Männer, die die betreffenden Wirkstoffe einnehmen, tut dies gezielt zur Verbesserung der beruflichen Leistung. Frauen benutzen Medikamente eher, um ihre Stimmung aufzuhellen. Diese Form des "Job-Dopings" ist keineswegs harmloser: Manche Wirkstoffe können bei andauerndem Gebrauch abhängig machen.
Auslöser: Stress im Job
Arbeit kann uns schwer zu schaffen machen: Zeitdruck, Konkurrenz und die Angst um den Job sorgen für reichlich Stress. Daneben überfluten E-Mails, Blackberry und Instant Messenger uns regelrecht mit Informationen. Viele Berufstätige reagieren mit typischen Stresssymptomen: Mehr als die Hälfte kann selbst nachts nicht abschalten und wälzt sich schlaflos im Bett. Rund ein Drittel leidet an Konzentrationsstörungen, Unruhe und depressiven Verstimmungen, jeder Siebte hat Herzrasen. Andauernder Stress ist außerdem eine zentrale Ursache für psychische Krankheiten wie Depressionen und Angststörungen. Deren Zahl steigt seit zehn Jahren permanent an.
Mittlerweile geht jeder zehnte Fehltag auf das Konto seelischer Leiden. Auf der Suche nach einem Ausweg geraten viele in die Sackgasse: 1,3 Millionen Menschen sind alkoholabhängig, gut jeder fünfte Deutsche kennt jemanden, der ohne medizinischen Grund Pillen nimmt, um seine berufliche Leistung zu steigern.
Neuro Enhancer: Was wirklich in ihnen steckt
Von den "Pillen fürs Gehirn" erhoffen sich zwei Millionen Deutsche, konzentrationsstärker und leistungsfähiger zu werden. Ursprünglich wurden die Medikamente zur Bekämpfung schwerer Krankheiten zugelassen. Mögliche Langzeitfolgen durch ihren Missbrauch sind noch völlig unklar. Die DAK erklärt Wirkungen und Risiken:
Methylphenidat: "Kokain" fürs Büro?
Die kokainähnliche Substanz wird vor allem zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern eingesetzt. Das Arzneimittel wirkt antriebssteigernd, weil es für den Anstieg des "Glückhormons" Dopamin im Körper sorgt. Gesunde erhoffen sich eine bessere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sowie die Unterdrückung ihrer Müdigkeit. Methylphenidat kann für Nebenwirkungen bis hin zu psychischen Krankheiten und Herzrhythmusstörungen sorgen und abhängig machen.
Modafinil: Wachmacher mit Nebenwirkungen
Modafinil wird aufgrund seiner stimulierenden Wirkung zur Behandlung der seltenen Schlafkrankheit Narkolepsie eingesetzt. Wie es genau wirkt, ist nicht bekannt. Vermutlich verlangsamt es die Ausschüttung eines schlaffördernden Botenstoffes und hält Narkoleptiker auf diesem Wege wach. Gesunde versprechen sich eine gesteigerte Aufmerksamkeit und Wachheit, ohne einen Rausch zu erleben. Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall sind die häufigsten Nebenwirkungen. Da nicht genau bekannt ist, wie das Mittel wirkt, können gesundheitliche Langzeitfolgen nicht ausgeschlossen werden.
Piracetam: Schnelldenken auf Rezept?
In Deutschland ist Piracetam das meistverordnete Mittel gegen Demenz. Seine dauerhafte Wirkung ist jedoch umstritten. Kurzfristig verbessert es bei Patienten die Denkleistung, indem es den Hirnstoffwechsel anregt. Da das Medikament auch auf das Sprachzentrum wirkt, versprechen sich Gesunde zum Beispiel Hilfe beim Vokabellernen. Die Nebenwirkungen sind zahlreich: Neben Schlafstörungen, Übelkeit und Durchfall kann es auch zu Depressionen kommen.
Fluoxetin: Glückspillen mit Suizidgefahr
Fluoxetin wird häufig gegen Depressionen verschrieben. Die Pille erhöht künstlich den Spiegel des "Glückshormons" Serotonin und hebt dadurch die Stimmung. Gesunde hoffen, dass das Mittel ihr Leben dadurch leichter macht. Das Gegenteil kann jedoch der Fall sein, denn die wohl fatalste Nebenwirkung des Medikaments ist eine erhöhte Selbstmordgefahr. Weitere Folgen, die im Vergleich fast schon harmlos wirken, sind Verwirrtheit, unkontrollierte Krämpfe und das Risiko einer Abhängigkeit.
Metoprolol: Herzmittel gegen Lampenfieber
Der so genannte Betablocker wird bei Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Migräneattacken eingesetzt. Das Mittel hemmt die aktivierende Wirkung von "Angsthormonen" und sorgt dadurch für eine Dämpfung von Stressempfindungen. Einige Manager, Politiker und Berufsmusiker nutzen es, um ihr Lampenfieber zu unterdrücken. Die Einnahme führt zu Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und Verwirrtheit. Unerwünschte körperliche Folgen sind Durchblutungsstörungen, akute Verkrampfungen der Luftwege, Verlangsamung des Herzschlags und die Gefahr von Impotenz.Die RisikogruppenÜberlastungen am Arbeitsplatz gelten als wichtiger Auslöser für den Griff zu leistungssteigernden Pillen. Den Anstrengungen kann sich kaum jemand entziehen: Etwa die Hälfte aller Berufstätigen leidet unter großem Stress, jeder Siebte hat Angst um seinen Job, jeder Neunte fühlt einen starken Konkurrenzdruck unter den Kollegen. Kein Zufall also, dass der Wunsch nach einem "Wundermittel" wächst, mit dem sich auch höchste Anforderungen schultern lassen.
Frauen: Perfekt mit allen Mitteln
Oft müssen Frauen einen regelrechten Spagat machen, um Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Dabei stellen sie hohe Erwartungen an sich selbst: Perfekt gestylt, voller Tatendrang und brillanter Ideen möchten sie sein – Superfrauen eben. Ihr Perfektionismus ist aber ein typischer Auslöser für den Missbrauch von Medikamenten: Mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln halten sich Betroffene monatelang "funktionsfähig", obwohl sie dringend eine Pause bräuchten."Mother`s little helpers" kommen zunächst als Heilmittel in die Handtasche: Das weibliche Geschlecht lässt sie sich bis zu dreimal so häufig gegen Stresssymptome wie Schlafstörungen, Verstimmungen oder Nervosität verschreiben wie Männer. Was viele nicht wissen: Einige Wirkstoffe sind auf Dauer riskant, schon rund eine Million Frauen in Deutschland sind medikamentenabhängig. Sogar scheinbar harmlose Kopfschmerztabletten können großen Schaden anrichten. Wer zu viele Pillen gegen das Pochen im Kopf schluckt, kann einen Dauerkopfschmerz auslösen. Stattdessen sollte man lieber aktiv gegen das Kopfweh vorgehen, um gar nicht erst in den Teufelskreis aus Schmerz und Tabletten zu geraten.
Führungskräfte: Wenn Stress süchtig macht
Menschen in leitenden Positionen sind besonders anfällig für das "Job-Doping". Die Ursachen: Extreme Leistungserwartungen, 60 bis 70 Arbeitsstunden pro Woche, praktisch kein Privatleben. Viele powern jahrelang am Limit, ohne die Gefahren zu erkennen. Für diese so genannten "Extremjobber" reicht oft schon eine kleine Krise - und das Kartenhaus stürzt ein. Leistungssteigernde Medikamente sollen dann die drohende Niederlage aufhalten.Hier heißt es: radikal gegensteuern! Denn sonst ist der Weg in die Sucht oder den Burnout fast vorprogrammiert. Ein professionelles Coaching hilft, Ursachen für den Stress herauszufinden und das Problem bei der Wurzel zu packen. Außerdem sollten sich gestresste Manager fragen: Muss ich wirklich alles selber machen? Prioritäten setzen und Arbeit an Kollegen delegieren sind hier die Schlüssel zu mehr Gelassenheit. Das Teamwork mit den Mitarbeitern verringert den psychischen Druck. Regelmäßige Pausen sind ein gutes Mittel, um sich neuen Überblick zu verschaffen. Außerdem sollte man aktiv Freiräume für das Privatleben schaffen. Denn der Ausgleich in der Freizeit hilft, den Stress im Job dauerhaft aufzufangen.Mit dem DAK-Onlineprogramm Smarter Leben gelangen Sie zu einer entspannten Lebensführung.
Studenten: Lernen auf Rezept
Auch vor dem Berufsstart kann es heute schon zu Überbelastungen kommen: Jeder vierte Student leidet unter hohem Leistungsdruck, die Hälfte aller Schüler klagt über Schulstress. Kein Wunder, denn wer heute Karriere machen will, muss angesichts von G8, Bachelor und Master in kürzerer Schul- oder Studienzeit hohen Anforderungen gerecht werden. Die Folge: Fast jeder Fünfte zwischen 20 und 29 Jahren kennt heute jemanden, der zu ‚kleinen Helfern’ aus dem Medizinschrank greift, ohne krank zu sein.Ganz oben auf der Gehirndopingliste: Methylphenidat. Der Wirkstoff ist eigentlich zur Behandlung von hyperaktiven Kindern gedacht, als „Lernpille“ soll er die Konzentration steigern und Müdigkeit unterdrücken. Die Risiken sind jedoch groß, denn der Wirkstoff kann Panikattacken, Halluzinationen und Herzrhythmusstörungen auslösen. Auch blanke Nerven werden vor Prüfungen nicht mehr nur mit Baldrian kuriert, sondern mit Betablockern oder Mitteln gegen Depression. Die Gefahren: Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel und Impotenz. Wer sich auf eigene Faust mit Schlafmitteln behandelt, riskiert eine Abhängigkeit.Die Pillen haben noch einen weiteren bitteren Beigeschmack: "Gedopte" Prüflinge müssen sich fragen: Kann ich das wirklich, oder kann ich es nur, weil ich meine Tabletten regelmäßig schlucke? Wer sein Studium stattdessen clever managt , braucht in Stresssituationen keine Medikamente – und hat auch Zeit für die schönen Dinge des Lebens